Jugendwerkstatt setzt neues Angebot der Jugendberufsagentur um

Jugendwerkstatt setzt neues Angebot der Jugendberufsagentur um

Seit 01.09.2019 hat der Landkreis Weißenburg Gunzenhausen einen neuen Sozialdienst für junge Menschen bis 25 Jahre, die bislang von anderen Hilfsangeboten nicht erreicht wurden oder die aus diversen anderen Gründen nicht im Sozialleistungssystem angekommen sind bzw. aus diesem zu fallen drohen. Diese besondere Zielgruppe nehmen die örtlichen Kooperationspartner der Jugendberufsagentur – Jugendhilfe, Jobcenter und Agentur für Arbeit – deutlicher ins Blickfeld. Möglich wurde dies durch die Aufnahme eines neuen Paragraphen in das SGB II im Rahmen der Jugendberufsagentur.

Oft sind Arbeits- und Wohnungslosigkeit für die dabei betroffenen Menschen die resultierenden Folgen. Das Deutsche Jugendinstitut geht nach einer Erhebung aus dem Jahr 2017 von ca. 31.000 jungen Menschen bis 25 Jahren aus, die wohnungs- und/oder obdachlos sind. Dieses relativ neue Phänomen, der umgangssprachlich oft genannten „Sofahopper“, wächst in den vergangenen Jahren auch bei uns im Landkreis – so die Einschätzung von mit dem Klientel vertrauten Sozialarbeitern. Immer wieder käme es vor, dass Jugendliche von zuhause rausfliegen und sich danach oft über viele Monate von Schlafgelegenheit zu Schlafgelegenheit, etwa bei Freunden und Bekannten, hangeln. In der Fachwelt ist hier auch von einer „entkoppelten“ Jugend die Rede. Gemeint sind junge Menschen, die mit bisherigen Ansätzen, schwer bis gar nicht zu erreichen sind. Aufgrund von negativ-Erfahrungen oder aus Unkenntnis im Umgang mit der Sozialbürokratie, werden sie von dieser nicht wirklich erfasst und tauchen in Statistiken nicht auf. Deshalb lässt sich eine genaue Höhe der betroffenen Jugendlichen nur sehr schwer beziffern.

Betroffene und Eltern schildern den Tagesablauf von besagten Jugendlichen oft in Form von langem ausschlafen, Spielkonsole zocken, Freunde treffen, bis spät in die Nacht digitale Endgeräte nutzen und ähnlichen Aktivitäten. Gerade dann, wenn Eltern alleinerziehend und/oder ganztags arbeitstätig sind kommt hier ein Gefühl der Überforderung auf.

Der junge Mensch muss aber von etwas leben! Probleme entstehen dann, wenn der Übergang in Ausbildung nicht gelingt oder droht, die Ausbildung zu verlieren. Aber auch, wenn Termine, Einladungen und Antragsfristen zum Erhalt von unterstützenden Leistungen des Staats nicht wahrgenommen werden. Eltern müssen in Deutschland bis zum 25. Lebensjahr für den Unterhalt ihres Kindes sorgen, wenn es dies nicht alleine kann. Dies wird zur Belastungsprobe für eine Familie.

Diesen jungen Menschen will die Mobile Arbeit im Sozialraum (kurz MAiS) der Jugendwerkstatt Langenaltheim gGmbH unterstützend zur Seite stehen. Gewachsen aus dem Grundgedanken der Jugendberufsagentur – ein Zusammenschluss von Trägern der Jugendhilfe, Jobcenter und Arbeitsagentur – der Jugendlichen ein niedrigschwelliges und passendes Angebot für Arbeit und Ausbildung schaffen soll, wird hier agiert.

Die Mobile Arbeit im Sozialraum sieht sich als ergänzendes Angebot im Landkreis, dass zum einen auf die Zuarbeit bereits bestehender Angebote wie etwa dem Jugendmigrationsdienst oder des Streetwork angewiesen ist, zum anderen schließt sie jedoch auch Lücken, da sie nicht ausschließlich nach Auftrag des Klienten handelt, sondern als Kooperationsstelle auch vermittelnd interveniert. Aufgrund des niedrigschwelligen Ansatzes ist es möglich, die jungen Menschen an jedem Ort des Landkreises zu treffen. Etwa im momentanen „zuhause“ oder auch an öffentlichen Plätzen. Gearbeitet werden kann daran, dass der junge Mensch wieder in Arbeit oder Ausbildung kommt, oder dass bestehende Verhältnisse erhalten bleiben können. Grundlegend ist die Existenzsicherung das primäre Ziel. Auch wenn dies erstmal bedeutet, von staatlichen Hilfesystemen leben zu müssen. Weitergehende Zielvorstellungen können in Zusammenarbeit mit anderen Diensten anvisiert werden. Der junge Mensch soll über die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit sowie die sozialpädagogische Unterstützung eine Handlungsfähigkeit erlangen, um mittelfristig eine solide Lebensgrundlage zu haben.